Autor: Christoph Galette, Sprecher für ORF, Arte und Ö1, Stimm- und Sprechtrainer in Salzburg, Wien und online. Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Als Jugendlicher habe ich genuschelt, und in meiner Ausbildung zum Rundfunkjournalisten riet man mir, lieber zur Zeitung zu gehen. Geholfen hat mir das Stimmtraining nach Kristin Linklater. Heute spreche ich für ORF, Arte und Ö1 und bilde in meiner Sprecherausbildung selbst Sprecher*innen aus. Hier erfährst du, was du für den Einstieg wirklich brauchst.
Kurzantwort: Sprecher*in werden geht auch ohne Schauspielausbildung, als Quereinsteiger*in und nebenberuflich. Neben Talent und einer angenehmen Stimme brauchst du vier Dinge, die du lernen kannst: Sprechtechnik, deutsche Hochlautung, Stimmarbeit und Textgestaltung, also Texten eine Richtung geben und sie interpretieren. Schauspielgrundlagen kommen in einer guten Ausbildung dazu, damit Texte lebendig werden.
Welche Voraussetzungen brauchst du wirklich?
Das hängt vom Genre ab. Immer brauchst du eine Liebe zur Sprache und zur Literatur, die Fähigkeit, Texte schnell zu erfassen, und Fleiß.
- Werbung. Du musst sehr deutlich und schnell sprechen können. Die Texte sind oft zu lang, und jede Werbesekunde kostet Geld. Tempo und Rhythmus allein genügen aber höchstens für Lokalspots, denn Werbung wird immer emotionaler.
- Hörbuch. Hier zählt Ausdauer. Viele nennen es die Königsdisziplin.
- Synchron. Du musst schauspielern und später lippensynchron sprechen können, also ein gutes Gefühl für Timing haben. Mit Schauspielausbildung ist der Einstieg leichter. Mit Talent und Arbeit ist es eine Frage der Zeit. In meiner Ausbildung lernst du die Schauspielgrundlagen und wie du Emotionen glaubhaft machst. Die Grundlagen zum Beruf stehen im Artikel Wie wird man Synchronsprecher.
Womit fängst du am besten an?
Mit der Hochsprache und der Textgestaltung. Erst danach kommen die Gattungen, und jede verlangt etwas Eigenes: Sachtexte müssen richtig betont werden. Literatur braucht verschiedene Erzählhaltungen: Wer spricht zu wem, und warum?
Mein erster Auftrag war vor 15 Jahren ein Erklärfilm für Konica Minolta, gefunden über eine Sprecherplattform, auf der Auftraggeber selbst nach Stimmen suchen. Auch dort musste ich ein wenig schauspielern: Ich habe die Figur Komino gesprochen.
Dein Weg in sechs Schritten
- Stimme und Ziel klären. Im kostenlosen Telefongespräch und in der Erstanalyse hörst du von einem Profi, wo du stehst. 20 Minuten am Telefon, dann eine Stunde Erstanalyse.
- Hochsprache und Textgestaltung lernen. Damit beginnt jede Ausbildung bei mir. Zu Hause übst du täglich 20 bis 30 Minuten mit der Aussprachedatenbank.
- Gattungen ausprobieren. Sachtexte richtig betonen, in der Literatur die Erzählhaltung finden: Wer spricht zu wem, und warum? So zeigt sich, welches Genre zu dir passt.
- Stimmarbeit und Schauspielgrundlagen. Du lernst, Emotionen glaubhaft zu machen.
- Demo produzieren. Ein professionelles Demo mit verschiedenen Genres, drei Stunden im Tonstudio mit Regie.
- Bewerben und dranbleiben. Sprecherplattformen, Agenturen, Bekanntenkreis. Aufnahmen vorspielen, Marketing machen, nicht aufhören.
Wie lange dauert es bis zum ersten bezahlten Auftrag?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, wie gut du bist und wie sehr du dich zeigst, und ein wenig Glück gehört dazu. Schnell geht es, wenn du Marketing machst und deine Aufnahmen vorspielst. Viele meiner ersten Aufträge kamen aus dem Bekanntenkreis, nachdem ich dort meine Aufnahmen vorgespielt hatte. Zwei Dinge entscheiden: dranbleiben und gute Demos.
Drei Fehler, die ich bei Einsteiger*innen immer wieder sehe
- Ein Demo in schlechter Qualität. Wenn Aufnahme oder Aussprache nicht sauber sind, wirst du aussortiert und als nicht brauchbar abgestempelt.
- Stimmen nachmachen. Viele imitieren die Synchronstimmen von Hollywoodstars. Gefragt ist aber deine eigene, authentische Stimme.
- Zu früh bewerben. Bewirbst du dich, bevor du so weit bist, bekommst du Absagen, und niemand sagt dir, warum. Warte, bis dein Demo wirklich gut ist.
Geht der Einstieg auch nebenberuflich?
Ja, ich empfehle es sogar. So hast du weniger Stress und baust dir in Ruhe einen Kundenstamm auf.
Die Termine der Sprecherausbildung legen wir individuell, bei Bedarf auch am Wochenende. Dazwischen übst du zu Hause, täglich 20 bis 30 Minuten. Online bekommst du die Aufnahme jeder Zoom-Stunde, vor Ort nehme ich auf Wunsch auf Video auf.
Beim Üben hilft dir meine Aussprachedatenbank. Sie enthält Wörter mit Lautschrift und Hörbeispielen in deutscher Hochlautung, dazu Wortketten, Regelkarten und eine Selbstaufnahme zum Vergleichen. Die Hörbeispiele spreche ich selbst ein. Gebaut habe ich sie, weil ich nichts Vergleichbares gefunden habe: Das gängige Übungsbuch hat keine Lautschrift, und seine Hörbeispiele sind österreichisch gefärbt. Wer in Deutschland Aufträge will, etwa für Synchron oder Hörbuch, braucht die deutsche Hochlautung zum Anhören. So lernst du die Aussprache nebenbei, wir nutzen die Stunden für die Texte, und du kommst schneller voran.
Kostenloses Beratungsgespräch
Zwanzig Minuten am Telefon, kostenlos. Du beschreibst mir, wo es hakt. Ich sage dir, was ich höre und ob ich dir helfen kann. Und wenn nicht, sage ich dir das auch.
Was kostet der Weg, und wofür lohnt sich das Geld?
Für die Rückmeldung. Um gut zu werden, brauchst du das Feedback von einem Profi. Wenn deine Demos nicht genommen werden, sagt dir niemand, warum. Du bekommst Absagen und weißt nicht, woran es liegt.
Die Preise stehen auf der Seite zur Sprecherausbildung. Wie sie sich zusammensetzen und was du dafür bekommst, liest du im Artikel Was kostet eine Sprecherausbildung.
Häufige Fragen zum Einstieg als Sprecher*in
Kann jeder Sprecher werden?
Nicht jeder, aber viele. Du brauchst eine gesunde Stimme, Lernbereitschaft und den Willen, dich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen: mit der Sprechtechnik, mit Texten und ihrer Gestaltung und mit deiner eigenen Stimme.
Kann man ohne Ausbildung Sprecher werden?
In der Regel nicht. Eine Sprecherausbildung, Moderationserfahrung oder eine andere Arbeit mit der Stimme ist die Voraussetzung. Naturtalente, die ohne Ausbildung Fuß fassen, gibt es, aber sie sind selten geworden.
Kann man auch mit 40 noch Sprecher werden?
Ja, es gibt immer wieder Beispiele, bei denen das klappt. Entscheidend sind die Zeit, die du investierst, und deine Offenheit für die Arbeit an dir selbst.
Wie werde ich Hörbuchsprecher*in in Österreich?
Für Hörbücher brauchst du Ausdauer und saubere deutsche Hochlautung, denn die meisten Aufträge kommen von Verlagen in Deutschland. Von Österreich aus geht das trotzdem, viele Aufnahmen entstehen heute im eigenen Studio oder per Remote-Session. Wie der Weg im Detail aussieht, liest du in meinem Hörbuch-Guide.
Werden Sprecher durch KI ersetzt?
KI tut sich schwer damit, Emotionen herzustellen. Ein Mensch hat eine Lebensgeschichte, und die hört man in der Stimme. KI klingt noch immer leer, auch wenn sie besser wird. Deshalb bilde ich Menschen aus, die mit der Stimme berühren können. Das hat in meiner Ausbildung einen großen Stellenwert.
Wie bewirbt man sich als Sprecher?
Du brauchst ein professionelles Demo mit verschiedenen Genres. Damit bewirbst du dich bei Sprecherplattformen und Agenturen. Viele Aufträge entstehen aber auch im Bekanntenkreis.
Kostenloses Beratungsgespräch
Zwanzig Minuten am Telefon, kostenlos. Du beschreibst mir, wo es hakt. Ich sage dir, was ich höre und ob ich dir helfen kann. Und wenn nicht, sage ich dir das auch.


